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Warum Sie auf digitale Nachhaltigkeit setzen sollten

Neue Untersuchungen zeigen, dass Klimaneutralität, Resilienz und digitale Transformation viele gemeinsame Nenner haben, die branchenübergreifend neue Geschäftsfelder entstehen lassen können.

Während das Erdklima sich weiter aufheizt und die wachsende Weltbevölkerung sich zunehmend auf urbane Räume konzentriert, sorgen Megatrends für einen Umbruch in zahlreichen Unternehmen. Gerade von energie- und ressourcenintensiven Branchen wird gefordert, konsequent nachhaltig zu wirtschaften.

Um zu beleuchten, wo diese Branchen auf dem Weg in die Klimaneutralität stehen, hat Autodesk gemeinsam mit dem globalen Beratungsunternehmen Frost & Sullivan 600 Führungskräfte von Unternehmen der Bau- und Fertigungsbranche befragt, die in den wichtigsten europäischen Märkten tätig sind. Dabei gingen wir der Frage nach, wie diese Unternehmen es schaffen, wirtschaftlichen Erfolg und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen. Nachfolgend stellen wir Ihnen unsere Erkenntnisse vor.

 

Regionale Erkenntnisse – globale Bedeutung

Wie wir herausfanden, verfügen inzwischen vier von fünf Unternehmen über ein formelles Nachhaltigkeitsteam, das in der Regel einen großen Aufgabenbereich hat und direkt in die Führungsetage berichtet. Daran sehen wir, dass Unternehmen nachhaltige Ziele längst nicht nur aus unternehmerischer Verantwortung verfolgen. Vielmehr werden diese Ziele in neue Entscheidungsfindungsprozesse einbezogen, die verdeutlichen, dass Klimaneutralität nur durch bereichsübergreifende, gemeinschaftliche Anstrengungen erreicht werden kann.

Die Mehrheit der von uns befragten Führungskräfte ist überzeugt, dass sich Unternehmen für Nachhaltigkeit einsetzen müssen, um einen Wettbewerbsvorteil zu sichern und Kunden zu binden. Dass Unternehmen ihr Profil durch die Übernahme einer ökologischen Vorreiterrolle schärfen möchten, stellt eine bedeutende strategische Neuausrichtung dar. 

Um ihren Nachhaltigkeitsanspruch zu unterstreichen, gehen viele Unternehmen deshalb weit über die branchenüblichen Standards hinaus. Um Stoff- und Energiekreisläufe zu schließen, lohnt sich offenbar ein Blick über den Tellerrand der eigenen Branche.

 

An Beispielen fehlt es nicht 

Der internationale Stahlkonzern ArcelorMittal möchte seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen beenden und testet neue Energieträger wie Biomasse. Die Reduktion der Eisenerze im Hochofen ist nur bei großer Hitze möglich. Dass diese Energie auch durch die Verbrennung von Holzabfällen aus der Bauindustrie bereitgestellt werden kann, zeigt eine Anlage in Belgien. 

Die Abgase aus dem Hochofen werden anschließend aufgefangen und in Ethanol und Methanol umgewandelt – gefragte Ausgangsstoffe für weitere Produkte, die früher aus kohlenstoffintensiven Energieträgern hergestellt werden mussten.

„Mit dem richtigen Stoffstromkonzept kann ein Unternehmen um ein Vielfaches umweltfreundlicher werden“, erklärte Annie Heaton, Head of Sustainability bei ArcelorMittal kürzlich in einem Webinar. Während der Veranstaltung hatte ich die Gelegenheit, mit Heaton über die Ergebnisse der Studie von Frost & Sullivan zu sprechen. Demnach schließt sie keinesfalls aus, dass selbst große Fertigungsunternehmen die Kohlenstoffbilanz sogar umkehren können.

„Wenn wir den Einsatz von Biomasse mit Systemen zur Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (BECCS) kombinieren, können wir selbst aus der Schwerindustrie eine Kohlenstoffsenke machen.“

 

Die sechs wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie

1. Die Digitalisierung ermöglicht nachhaltige Entscheidungen 

Dank Zugang zu riesigen Datenmengen und genaueren Analysen lässt sich alles, was wir entwerfen und herstellen, auch nachhaltiger gestalten. Die Nachhaltigkeit der Lieferkette wird immer wichtiger: Produktpässe, Track-and-Trace-Lösungen, modernste Bewertungssysteme, Kennzeichnungen oder Zertifizierungen für Nachhaltigkeit unterstützen diese Entwicklung. 

Stehen Kunden bessere Informationen und Werkzeuge für datengestützte Entscheidungen zur Verfügung, können sie informierte Entscheidungen in Bezug auf Nachhaltigkeit der Materialien und andere Kennzahlen treffen.

 

2. Die UN-Nachhaltigkeitsziele verändern die Unternehmensführung

Damit die Nachhaltigkeitsziele erfüllt werden, muss sich die Art, wie Gebäude und Produkte geplant und hergestellt werden, verändern. Das betrifft auch die Liegenschaftsverwaltung von Gebäuden. Der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft ist daher das Gebot der Stunde. Das bedeutet, dass die Rückgewinnung und Wiederverwendung von Materialien bewusst eingeplant werden. 

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN und das darin propagierte Modell der Kreislaufwirtschaft sind dabei für die Unternehmen zu den wichtigsten Wegweisern geworden.

 

3. Die Branchen finden zueinander

In der Fertigung, in der Architektur und im Bauwesen machen alle ähnliche Erfahrungen und können voneinander lernen. Dies betrifft vor allem Bereiche wie den Datenaustausch in der Lieferkette, modulare Fertigungsanlagen und die zunehmende Vorfertigung von Bauelementen. Der branchenübergreifende Austausch über bewährte Praktiken erhöht die Chance, die Ökobilanz aller Produkte, die wir entwerfen und herstellen, zu verbessern.

 

4. Der Stakeholder-Kapitalismus setzt sich immer mehr durch

Die Erkenntnis, dass ein Unternehmen den Bedürfnissen und Anforderungen unterschiedlicher Interessengruppen gerecht werden muss, hat sich endlich durchgesetzt. Hierunter fallen die eigenen Mitarbeitenden ebenso wie die Kundschaft, die Gesellschaft insgesamt oder die Investoren. Die Tatsache, dass immer mehr Interessenträger in den Entscheidungsprozessen eines Unternehmens berücksichtigt werden, treibt gleichzeitig die Entwicklung hin zu nachhaltigerem Wirtschaften voran. 

 

5. Wir leben in einer total vernetzten Welt

Das vergangene Jahr hat uns vor Augen geführt, wie leicht Verbindungen zerschlagen und neugestaltet werden können. Mit den uns heute zur Verfügung stehenden Werkzeugen können wir die komplexen Herausforderungen unserer Lebens- und Arbeitswelt besser analysieren und bewältigen. Sie helfen uns, bessere Entscheidungen über den Energieverbrauch, die verantwortungsvolle Beschaffung und die industriellen Prozesse zu treffen. Sie bringen uns dem Ziel näher, die Gesellschaft der Zukunft resilienter zu machen. 

 

6. Nachhaltigkeit ist fest in den Unternehmensgrundsätzen verankert

Nachhaltiges Denken prägt das operative Geschäft inzwischen genauso stark wie Entscheidungen über Personal, Rohstoffe oder Finanzmittel. Klingt übertrieben? Nicht wenn man bedenkt, dass die gesamte Unternehmensfinanzierung neu organisiert wird, da sie eine große Rolle bei der Erreichung von Klimazielen spielen wird. Mit der Taxonomie-Verordnung hat die EU nun ein System zur Klassifikation für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten verabschiedet, das Investitions- und Kreditvergabeentscheidungen weiter in Richtung eines nachhaltigen Wachstums lenken wird. 

„Jedes Finanzinstitut wird dieses System bei zukünftigen Anlageentscheidungen zugrunde legen“, sagt Mattias Goldman, der für die Umsetzung der Nachhaltigkeitspolitik bei SWECO verantwortlich ist. In unserem jüngsten Webinar berichtete er, dass Finanzakteure in Europa, Amerika und den ASEAN-Staaten sich gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern dafür einsetzen, Finanzinstrumente gezielt zur Bekämpfung des Klimawandels einzusetzen. 

Jedes Unternehmen müsse daher seine Anstrengungen verstärken. „Mit dem europäischen Grünen Deal und der neuen US-amerikanischen Maxime Build Back Better wird klar: Wer nur halbherzige Initiativen für Klima und Nachhaltigkeit ergreift, muss sie selbst bezahlen. Wenn man diese Dinge jedoch konsequent umsetzt, besteht eine große Chance, dass ein großer Teil der Rechnung von jemand anderem bezahlt wird.“

 

Nachhaltigkeit als Chance

Wir leben in einer zunehmend vernetzten Wirtschaft und müssen erkennen, dass sie anfälliger ist, als uns je bewusst war. Die Pandemie könnte sich als Initialzündung für einen grünen Aufschwung erweisen und eine Gelegenheit bieten, sich auf die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu konzentrieren. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn diese Ziele durch die Umsetzung eines Kreislaufwirtschaftsmodells gestützt werden. 

Ein nachhaltiges Denken stärkt langfristig die Resilienz der Unternehmen. Auf dem Weg dahin eröffnen die damit einhergehenden digitalen Initiativen neue Wachstumschancen. Der FTSE 100 Index von morgen wird vermutlich aus den Unternehmen bestehen, denen es zuerst gelang, ihre Lieferketten und Produktionsprozesse so umzugestalten, dass ihre Stoffkreisläufe geschlossen werden.

Auch Autodesk möchte einen Beitrag zu dieser Entwicklung leisten. So verfolgen wir beispielsweise ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele für unsere eigenen Geschäftsabläufe und Lieferketten. Unsere größte Stärke liegt jedoch darin, dass wir den von uns belieferten Branchen Werkzeuge und Möglichkeiten an die Hand geben, die sie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und verbesserter digitaler Effizienz unterstützen.