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3 Minuten mit Laurent Pulce, CIO bei Veolia Water Technologies

CIOs in Zeiten digitalen Wandels: Was kommt – und was bleibt?

Veolia Water Technologies (VWT) ist eine Tochtergesellschaft der global agierenden Veolia-Unternehmensgruppe und weltweit führend auf dem Gebiet der technischen Lösungen und Dienstleistungen für die Wasseraufbereitung. Im Gespräch berichtet Laurent Pulce, IT-Leiter (CIO) bei VWT, wie sich der Aufgabenbereich des CIOs im Laufe seiner 20-jährigen Tätigkeit bei dem Unternehmen verändert hat.


Autodesk: Seit zwei Jahrzehnten leiten Sie den IT-Bereich von VWT. Wie hat sich Ihre Rolle in diesem Zeitraum verändert?

Laurent Pulce, CIO bei Veolia Water Technologies: Ehrlich gesagt fing ich etwa um 2013 herum an, mich beruflich etwas zu langweilen. Es schien mir, als hätte ich schon alle damaligen Möglichkeiten ausgeschöpft, sodass mir meine Arbeit nicht mehr so spannend vorkam. 2014 befassten wir uns dann erstmals mit Cloud-Lösungen und verfolgten die Strategien von Firmen wie GE, Siemens und Schneider Electric in diesem Bereich.

Unter Einbeziehung all unserer Zulieferer haben wir daraufhin unser gesamtes Versorgungskonzept auf links gedreht und die standortfesten Systeminstallationen durch ein Pay-as-you-go-Modell ersetzt. Das war für uns der entscheidende Durchbruch.

 

Autodesk: Immer wieder ist zu lesen, dass CIOs im Hinblick auf die strategische Unternehmensentwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Trifft das auch bei VWT zu?

Laurent Pulce: Als ich anfing, galt die IT noch als Investitionsposten und fiel somit in den Zuständigkeitsbereich des Finanzressorts. Von dort führte der Weg jedoch Schritt für Schritt hin zum operativen Bereich, sodass ich nun direkt der Geschäftsführung unterstehe und folglich mit meiner Stimme als Vertreter der IT-Abteilung ganz oben Gehör finde.

 

Autodesk: Welchen Beitrag leistet die IT heutzutage zur Wertschöpfung – was ist in dieser Hinsicht anders geworden?

Laurent Pulce: Früher nutzten unsere Kunden ein sehr leistungsfähiges, aber auch hochkomplexes System, das aufwändig an jedem Standort separat installiert und gesichert werden musste. Das brachte erhebliche Anfangsinvestitionen mit sich.

Mit der schrittweisen Verlagerung der einzelnen Komponenten in die Cloud gelang es jedoch, den Endanwendern ohne Funktionseinbußen „Pay As You Go“-Optionen sowie Testversionen anzubieten, während das Unternehmen selbst die Bereitstellungskosten flexibler an die tatsächlichen Einnahmen anpassen konnte. Wir mussten im Prinzip nur noch für die Cloud-Kapazitäten aufkommen, die wir auch wirklich in Anspruch nahmen.

 

Autodesk: Was war Ihrer Ansicht nach der Schlüssel dafür, dass die Umwandlung von VWT zu einem Cloud-basierten, digitalen Dienstleistungsunternehmen gelungen ist?

Laurent Pulce: Der Wandel verlief bei uns schon ziemlich reibungslos, würde ich sagen. Eine gewisse strategische Planung war natürlich unerlässlich, aber wir mussten vor allem darauf achten, weder zu schnell voranzupreschen noch zu gemächlich zu agieren.

Es gab auch einige Aspekte, in denen sich der Wandel bei Veolia relativ drastisch gestaltete. So waren wir in Frankreich beispielsweise unter den ersten, die auf Google als E-Mail-Anbieter gesetzt haben. Rückblickend sehe ich das als einen wichtigen Schritt zum Erfolg.

Jedoch lief keineswegs alles „traumhaft“ ab. Gerade zu Beginn herrschte große Skepsis, denn wir Menschen mögen von Natur aus eigentlich keine Veränderungen. Die Pandemie überzeugte dann jedoch auch die letzten Zweifelnden, glaube ich. Denn wir stellten fest, dass die komplette Verlagerung unseres Angebots in die Cloud die Umstellung auf das Home-Office ziemlich unkompliziert machte.

 

Autodesk: Was denken Sie, welche Herausforderungen kommen auf die CIOs in den nächsten zehn Jahren zu?

Laurent Pulce: Wenn Sie mich so fragen: Meiner Ansicht nach wird es die CIO-Position in ihrer heutigen Form dann nicht mehr geben. Vor zehn Jahren, als CIOs sich mehr oder weniger noch als einzige im Unternehmen mit Technologie auskannten, war die Position noch mit einer gewissen Macht verbunden. Heute weiß aber im Prinzip jeder, was beispielsweise eine API ist, welche Einsatzmöglichkeiten sie bietet und welchen geschäftlichen Mehrwert sie hat.

In Zukunft brauchen wir dann vermutlich eher Spezialisten für Themen wie die Cybersicherheit. So oder so: Die zunehmende ressortübergreifende Zusammenarbeit lässt die Grenzen zwischen CIOs, CTOs und CDOs bereits heute verschwimmen.